Internationales FEMFAT User Meeting 2017 – Zusammenfassung und technische Highlights

Das 11. Anwendertreffen, als Forum zwischen Anwendern und Experten bzw. Industrie und Wissenschaft, stand im Zeichen der rasanten technischen Veränderungen bei Fahrzeugen, insbesondere bei Antriebssystemen.

Für den Plenarvortrag konnte Professor Alfons Esderts vom IMAB der TU Clausthal gewonnen werden, der einen Überblick über die Fertigungseinflüsse beim Umformen von dünnen Blechstrukturen auf die Betriebsfestigkeit gab. Besonders interessant war dabei für FEMFAT Anwender, mit welcher Systematik die Versuchsergebnisse und Modelle gewonnen wurden, die letztlich als „Umformeinfluss“ implementiert wurden und schon einige Jahre mit Schnittstellen zur Tiefziehsimulation zur Verfügung stehen.

Mehrere Vorträge am ersten Vormittag befassten sich mit nichtmetallischen Werkstoffen, einerseits Herr Dennis Baiz / VW mit einer kurzglasfaserverstärkten Pendelstütze aus Polyamid, Herr Dr. Adi Adumitroaie / JKU mit der Bewertung von Luftfahrt-Laminaten und Herr Ralf Beck / EMS mit Kerbwirkungseffekten wiederum bei kurzfaserverstärkten Polyamiden.

Man konnte insgesamt den Eindruck gewinnen, dass sich die Vorhersagegüte bei Composites im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert hat, allerdings absolut gegenüber vielen metallischen Werkstoffen immer noch nachhinkt.

Einen interessanten Beitrag lieferte Dr. Genbao Zhang / VW mit einem neuen Stützwirkungskonzept für Kerben, welches theoretische Vorteile bietet, dessen allgemeine Umsetzbarkeit aber offen ist. 

Auf besonderes Interesse stieß bei der folgenden Vorstellung der neuen Programm-Features V5.3  die Umsetzung der Schweißnahtbewertung bei stochastischen Lasten (WELD für SPECTRAL). .

Dazu passend wurde in einem späteren Vortrag von Michael Tryfonidis / BETA CAE und Klaus Hofwimmer / ECS der Modellierungs- und Bewertungsprozess der seit V5.2 verfügbaren SolidWELD-Methode erläutert.

Anschließend referierte Dr. Robert Ehart / BMW über verschiedenste fortschrittliche Analysemethoden zur Absicherung der Dauerhaltbarkeit von Dieselmotoren. Hier sind Untersuchungen zu Einflüssen wie Mikrostruktur und komplexe Eigenspannungen aus dem Aluminium-Wärmebehandlungsprozess hervorzuheben.

Aufgrund der fachlichen Tiefe und Systematik erhielt Herr Dr. Ehart am Ende verdient zum 3. Mal (!) den „FEMFAT Best Lecture Award“.

Das Thema Robustheit wurde durch einen Vortrag von Herrn Ralf Lampert / Dynardo vertreten, womit die effiziente Kopplung von OptiSLANG mit FEMFAT demonstriert wurde.

Anschließenden hielten Dr. Hidekuni Fukao / Toyota Vorträge zur Implementierung von punktartigen Laserschweißverbindungen bei Karosseriestrukturen und Caner Dönertas / Mercedes-Benz Türk zur Lebensdauervalidierung bei LKW-Blattfedern.

Der Abend ging mit der vielgelobten „Schmankerlroas“ im Gasthof Mayr und ein paar guten Tröpfchen im Weinkeller zu Ende, wobei uns das eigene obere Management die Ehre gab und es zu anregenden Gesprächen mit vielen Anwesenden kam.

Den zweiten Tag eröffnete Herr Jochen Heizmann / Hirschvogel mit Ergebnissen der Kooperation mit dem ECS. Hierbei ging es darum, Fertigungseinflüsse aus der Autofrettage von Einspritzungs-Rails durch die Kopplung FORGE-FEMFAT zu erfassen und die Genauigkeit zu steigern.

Herr Tobias Winter / Hatz Diesel berichtete über die Dauerfestigkeitsbewertung von Aluminium Kurbelgehäusen, die durch Einbeziehung von Gusseigenspannungen entscheidend verbessert werden konnte.

Herr Reinhard Helfrich / Intes – ein langjähriger Vortragender und Aussteller – trug über neue Möglichkeiten von PERMAS  mit FEMFAT in Bezug auf Formoptimierung und Dynamik vor.

Im Vortrag von Herrn Franz Strametz / SinusPro wurde der Prozess erläutert, anisotrope Materialeigenschaften von geschmiedeten Kurbelwellen mit vorhandenen Möglichkeiten von FEMFAT zu berücksichtigen.

Schließlich folgten aus den USA der anwendungsbezogene Vortrag von Paul Pochatila / Pioneer Solutions zu Schweißnahtanalysen nach BS 7808, der Gewinner des besten Vortrags in Indien Srinivas Kurna / Eicher CV [BILD] mit einer Motorlager-Anwendung von ELASTOLOADS sowie Dr. Oliver Grieshofer / ECS über dynamische Lastgenerierung inklusive Kontakteffekten (MAMBA + FEMFAT LAB).

Einen würdigen Abschluss fand der zweite Tag durch eine unvergessliche Fahrt mit der Steyrtalbahn nach Grünburg und zurück. Die urigen Wagons sowie die solide Technik der Dampflokomotive haben alle beeindruckt, insbesondere weil man die Fahrt kommunikativ bei Getränken und warmen Speisen verbringen konnte...

Die kostenlosen Advanced Workshops und Firmenbesichtigungen in St. Valentin am Freitag nutzten 50 Teilnehmer, anschließend konnten wir die letzten Gäste – nach einem sehr gelungenen 11. User Meeting – herzlich verabschieden.